SPD fordert Ausbildungsumlage in der Altenpflege und Schulgeldfreiheit in der Altenpflegeausbildung

Achim/Landkreis (hm). In Hamburg wird sie zum Ausbildungsjahr 2013/2014 eingeführt. In Baden-Württemberg konnte kürzlich eine positive Bilanz nach fünfjähriger Existenz der Ausbildungsumlage in der Altenpflege gezogen werden. Niedersachsen hat noch keine Ausbildungsumlage, obwohl sowohl von den Trägern der ambulanten und stationären Altenhilfe sowie der SPD-Kreistagsfraktion und der Landes-SPD seit Jahren dringend gefordert.

Dabei ist das Instrument der Ausbildungsumlage, bei denen alle Betriebe entsprechend ihrer Größe in einen Fonds einzahlen und daraus dann wiederum jene Einrichtungen unterstützt werden, die ausbilden, ein Erfolgsmodell, so der Sozialexperte der SPD-Kreistagsfraktion Fritz-Heiner Hepke aus Achim. In Baden-Württemberg konnte damit die Zahl der ausgebildeten Altenpflegefachkräfte in fünf Jahren um rund 13 Prozent gesteigert werden, berichtete Hepke vor der SPD-Kreistagsfraktion, die in den vergangenen Monaten mehrere Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis Verden besucht hatte, um sich über die Situation in der Altenpflege vor Ort und praxisnah ein umfassendes Bild zu machen.

Die SPD-Kreistagsfraktion fordert vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse die niedersächsische Landesre-gierung auf, die sich bis jetzt vehement gegen eine Ausbildungsumlage gesperrt hat, umzudenken und die Ausbildungsumlage auch in Niedersachsen einzuführen. "Der Fachkräftemangel in der Altenpflege ist insbesondere in den ländlichen Räumen im Flächenland Niedersachsen drastisch zu spüren", so auch der Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsauschusses beim Landkreis Verden, Heinz Möller. Es könne nicht hingenommen werden, dass ausbildende Einrichtungen die Kosten für nicht ausbildende Einrichtungen tragen müssen, pflichtete auch die Fischerhuder SPD-Kreistagsabgeordnete Katja Starke-Heinbokel bei, die unter anderem beim Informationsbesuch der SPD-Sozialpolitiker im Oytener Alten- und Pflegeheim Hasch dabei war.

SPD-Fraktionsvorsitzender Heiko Oetjen (Oyten) wünscht sich, dass endlich die Zeit der Sonntagsreden von CDU und FDP vorbei ist, in denen diese gerne ihre große Wertschätzung vor Ort gegenüber den Pflegeberufen zum Ausdruck bringen. Deren Regierungshandeln sieht jedoch ganz anders aus, rügte Oetjen, denn in Niedersachsen sind CDU und FDP nicht einmal in der Lage, das Schulgeld für Altenpflegeschüler/innen abzuschaffen.
Dabei dürfte nach seriösen Berechnungen das Ende des Schulgeldes für alle drei Ausbildungsjahrgänge landesweit allenfalls rund sechs Millionen Euro kosten.

Besonders unbehaglich stimme die Situation in der Altenpflege auch deshalb, so SPD-Sozialpolitiker Heinz Möller, weil allen Beteiligten eigentlich klar sein müsse, dass künftig immer mehr Menschen pflegebedürftig werden und die Betriebe, die ausbilden auch Wettbewerbsnachteile haben. "Diese Betriebe finanzieren die Ausbildung von Fachkräften, die dann oft genug von nicht-ausbildenden Pflegeanbietern abgeworben werden. Damit würde eine Ausbildungsumlage Schluss machen", erklärte der SPD-Sozialpolitiker.

Die SPD-Kreispolitiker verweisen zudem darauf, dass der Bedarf an professionellem Pflegenachwuchs schon heute ungenügend gedeckt ist. Außerdem wird nach Aussagen des Landespflegeberichts der Bedarf an gut ausgebildeten Altenpflegerinnen und -pflegern bis 2020 um bis zu 22 Prozent, bis 2050 sogar um 75 Prozent wachsen. "Wenn hier nicht schnell genug gegengesteuert wird, verstärkt diese Fachkräftelücke die bereits schwierige Situation in der Pflege", warnt Möller.