GEW-Landeschef Brandt lobt neue Landesregierung

Visselhövede/Landkreis (hm). Mehr als die Hälfte der Mitglieder des Ortsverbandes Visselhövede der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) waren dabei, als im Heimathaus auf Initiative von Anja Cohrs der GEW-Landeschef Eberhard Brandt zur aktuellen Schulpolitik der neuen rot-grünen Landesregierung aus Sicht der Gewerkschaft Position bezog. Dabei lobte Brandt, dass die atmosphärischen Arbeitsbedingungen zwischen Gewerkschaftsvertretern und der neuen Landesregierung sich gänzlich anders

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darstellen und wesentlich besser sind als zuvor. Er sprach von angenehmen Arbeitsklima auf Augenhöhe mit der neuen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), die auch Probleme sachlich und konstruktiv angehe.

Der GEW-Landesvorsitzende stellte in seiner Rede einleitend weiter fest, dass mit der neuen Kultusministerin eine Frau im Amt sei, die durch ihre langjährige parlamentarische Arbeit die Probleme im Bildungssystem erkenne, sie benenne und die anzugehenden Arbeitsfelder diskussionsoffen angehe. So könne langfristig eine Chance für alle Schülerinnen und Schüler entstehen, in einem Bildungssystem unterrichtet zu werden, welches ein Zutrauen an der Leistung jedes Einzelnen fördere. Was jedoch letztendlich vor dem finanziellen Hintergrund des niedersächsischen Landeshaushalt konkret an Verbesserungen möglich sei, werde man gewerkschaftsseitig aufmerksam im Auge behalten, so Eberhard Brandt.

Er stellte es als positiv heraus, dass es jetzt durch die kleine Schulgesetznovelle bereits möglich sei, dass Gesamtschulgründungen leichter gemacht worden sind und auch vierzügige Gesamtschulen genehmigungsfähig sind.

Weniger Stress verspricht sich der GEW-Experte dadurch, dass das umstrittene Turbo-Abitur bereits ab 1. August 2013 in den IGSen und KGSen entfällt. Ferner solle die äußere Fachleistungsdifferenzierungspflicht in der Sek 1 zukünftig entfallen. Des weiteren sollen diejenigen Schulen, die wegen mangelnder Schülerzahlen nicht zu Gesamtschulen umgeformt werden können, insoweit gestärkt werden, dass diese Schulen nicht "ausbluten" dürfen. Hier stehe die GEW-Forderung im Raume, möglichst dringend Schulentwicklungspläne zu erarbeiten.

Für den Bereich der Gymnasien sei man sich nach Aussage von Eberhardt Brandt mit Ministerin Heiligenstadt einig, dass dort "der Stress weg muss". Er räumte ein, dass es bei der Umsetzung der Inklusion noch etliche offene Fragen gebe. Brandt sieht hierbei als wesentliches Problem die noch fehlenden sächlichen und personellen Mittel, zumal zu wenige Förderschullehrkräfte bereitstehen und entsprechende Erlasse fehlen würden. Der GEW-Landeschef macht weiter deutlich, dass "Inklusion langfristig zwingend mit einer Grundschulreform einhergehen muss".

GEW-Forderung sei hier die inklusive Ganztagsschule und nicht die Halbtagsschule mit Nachmittagsbetreuung. Das bedeute aber auch, folgerte Eberhard Brandt, darüber nachzudenken, wann eine Schule mit welcher Größe noch arbeitsfähig sei, damit Ressourcen gebündelt werden können. Er betonte aber auch, dass es für die Zusammenlegung von Schulen Anreize geben müsse, damit die vorhandenen Ressourcen der betreffenden Schulen auch vor Ort bleiben und nicht abgezogen werden. Diskussionsbedarf sieht der Gewrkschafter bei den Themen "kein Sitzenbleiben mehr in den Klassen 1 bis 4 und Berichtszeugnisse statt Zensurenzeugnisse". Im Anschluss den den Vortrag von Eberhard Brandt wurden in einer intensiven Diskssionsrunde die angesprochenen Themen intensiviert und hinterfragt.