SPD diskutierte Trinkwasserförderung im Landkreis Verden

Verden/Landkreis (hm). Im Rahmen einer öffentlichen Dialogveranstaltung debattierten die Verdener Sozialde-mokraten unter der Moderation von Gerard-Otto Dyck im Restaurant "Likedeeler" das brisante Thema "Trinkwasserförderung im Landkreis Verden". Hierzu begrüßte Dyck als Gastreferenten Stefan Hamann, den Geschäftsführer des Trinkwasserverbandes. Aber auch Petra Krüler, Kreistagsabgeordnete der Grünen und Vertreterin des BUND, DGB-Kreisvorsitzender Dietmar Teubert

Stefan Hamann

sowie SPD-Ratsfrau Karin Hanschmann, die dem Vorstand des Trinkwasserverbandes als Beisitzerin angehört, verdeutlichten mit Statements ihre Auffassungen.

 

Eingangs stellte Stefan Hamann mit Daten und Fakten  den Trinkwasserverband vor:

– 115 000 Bürger in neun Mitgliedsgemeinden werden versorgt.

– 16,5 Mio cbm Trinkwasser werden pro Jahr gefördert, davon 9,75 Mio cbm an Bremen geliefert.

– 38 800 Trinkwasseranschlüsse im Versorgungsgebiet

– 52 Beschäftigte

– 500 Grundwasser-Messstellen

 

Wasserwek Panzenberg: 7 Grundwasser-Brunnen entlang der Halse (bis 270 Meter Tiefe); Freigefälle-Leitung nach Bremen (40 Meter Höhenunterschied); Grundwasser-Förderrecht von 10 Mio cbm pro Jahr, davon sind etwa 80 % vertraglich Bremen vorgehalten. Bei Ausschöpfung von 9,5 Mio cbm/anno gibt es eine Grundwasserabsenkung von 9 Metern im Bereich Panzenberg.

 

Eingehend auf die trocken gefallene Halse und Kritik an der hohen Wasserförderung entlang der Halse meinte Stefan Hamann, dass allein schon eine Senkung der Wasserförderung von 9,5 auf 9,3 Mio cbm im Jahr im nordöstlichen Bereich des Einzugsgebietes zu nassen Feldern und Kellern führen könne.

 

"Wir wollen ökologisch ja was machen, aber es ist sehr schwierig", so Hamann. Zur Wasserführung der Halse meinte er, dass es der Urkundenlage nach schon 1902 für die damals fünf vorhandenen Getreidemühlen schwierig war, genügend Wasser zum Betreiben ihrer Mahlwerke zu haben. Nach 16 Stunden Aufstauung konnte das Mahlwerk vier Stunden betrieben werden, schilderte er. Im Jahr 2007 habe man versucht (und hätte EU-Gelder bekommen können) einen Teilbereich der Halse "wieder zu beleben" und zwar dadurch, dass man  eine Ton- und Kiesschicht ins Bachbett der Halse  (Bereich Uhlemühlen) einbauen wollte. Doch das sei damals am unverständlichen Widerstand der Grundstückseigentümer gescheitert.

 

Grünen-Kreistagsabgeordnete Petra Krüler vom BUND, bemängelte anschließend, dass die bisherigen Gutachten nur untersucht hätten, was passiere, wenn man die Wasserförderung komplett einstelle oder so wie bisher voll weiter betreibe. Dabei hätte man auch untersuchen müssen und sollen, so Krüler nachdrücklich, wie viel man reduzieren könne, so dass es noch ökologisch und sozial verträglich sei.

 

Petra Krüler  brachte auch als Möglichkeit ins Spiel, überschüssiges Delmenhorster Grundwasser nach Bremen zu leiten, um so die Verdener Förderung reduzieren zu können. Hierauf entgegnete später Stefan Hamann, dass es bisher weder eine Wasser-leitung von Delmenhorst nach Bremen gebe und man in Delmenhorst selbst auch andere Pläne habe. Eine mögliche drastische Reduzierung der Wassermenge, die von Verden nach Bremen geleitet wird, betrachtete DGB-Kreisvorsitzender  Dietmar Teubert kritisch mit dem Argument, das daran auch zahlreiche Arbeitsplätze im Landkreis Verden und in Bremer Betrieben hängen.

 

„Gibt es bei einer Reduzierung der Fördermenge wieder Wasser in der Halse?" wollte Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) wissen. Experte Stefan Hamann verwies dazu auf Aussagen, dass wohl erst bei einer Reduzierung der Förderung um 90 % der Grundwasserstand so weit steige, das wieder Wasser in der Halse fließen könne. Problem sei, dass die Halse in einem landschaftsmäßig tiefen Bereich liege. Deshalb müsste eine deutliche Reduzierung erfolgen, um Effekte zu haben.

 

Aber schon eine geringe Reduzierung würde sich im nordöstlichen Einzugsbereich bei den Landwirten durch nasse Felder negativ bemerkbar machen. Lutz Brockmann weiter: Nachhaltig und sinnvoll wäre aber, sich verstärkt um neue Trinkwasserbildung zu bemühen. Der Dauelser Bürger und Sozialdemokrat Otto Pemöller kritisierte ähnlich wie Frau Krüler, dass noch niemand konkret berechnet habe, wie sich die Reduzierung der Förderung um etwa ein Drittel auf die Natur auswirke. "Die Natur bei der Halse wird zugrunde gerichtet", unterstrich  Pemöller sehr kritisch und forderte Taten von den Akteuren des Trinkwasserverbandes,

 

Stefan Hamann bestätigte, dass der Umweltbereich im Verlauf der Halse beeinträchtigt worden sei. "Aber selbst die Reduzierung der Förderung um ein Drittel reicht nicht für die Halse", meinte er und fügte hinzu: "Die Grundwasser-Förderung hat keinen Einfluss auf die Grundwasser-Neubildung". Er erklärte, das es sowohl beim Oberflächenwasser wie auch beim Grundwasser im Halse-Bereich eine Fließrichtung in Richtung Aller gibt. Aus dieser Fließrichtung würde man vom Grundwasser eingangs zitierte Mengen abschöpfen. Derzeit bilde sich bereits aufgrund der Niederschläge jedes Jahr etwas mehr Grundwasser als man entnehme.

 

 "Würde eine Reduzierung z.B. um 30 Prozent dazu führen, dass die Halse wenigstens in den Wintermonaten wieder Wasser führt", wollte SPD-Vorständler  Axel Sonntag wissen. Hamann verneinte dies. Ingo Neumann mahnte: "Trinkwasser ist ein Menschenrecht". Deshalb gelte es auf Nachhaltigkeit zu setzen, denn Menschen können – wie die Natur – nicht auf Trinkwasser verzichten. SPD-Ratsfrau Karin Hanschmann, Vertreterin der Stadt Verden beim Trinkwasserverband, möchte die Halse wieder fließen sehen. Deshalb sprach sie sich für einen Dialog der Verantwortlichen von Natur- und Umweltschutz, Trinkwasserverband und Politik in einer Arbeitsgruppe aus, um eine entsprechende Konzeption zu erarbeiten. Karin Hanschmann bekräftigte, dass es dabei einen Kompromiss zwischen Ökologie und Ökonomie geben müsse.

 

 

Abschließend gab SPD-Chef Gerard-Otto Dyck bekannt, dass das traditionelle Sommerfest des SPD-Ortsvereins  am 29. August stattfindet. Geplant ist dabei auch eine Besichtigung des Strohballenhauses als Verdener Leuchturmprojekt.