Praxisnahe Politik für die Landwirtschaft

Zwei Hofbesuche standen für mich auf dem Programm, als ich mich kürzlich mit Repräsentanten des Vereins „Freunde der Landwirtschaft Verden“ und dem Vizepräsidenten des Landvolk Niedersachsen, Jörn Ehlers, in Thedinghausen traf. Daran schloss sich noch eine rege Diskussion über den Verein und die heimische Landwirtschaft im Allgemeinen an.

Beim Austausch mit Christian Marquardt, Heinfried Krüger, Dettmer Rippe, Heinrich Zeyn, Harm Heimsoth und Frank Fischer im Hofcafé.
Gemeinsam mit Dettmer Rippe, Jörn Ehlers, Harm Heimsoth, Christian Marquardt, Heinrich Zeyn, Frank Fischer (von rechts) beim Hofbesuch.

Als Mitglied des Agrarausschusses des Deutschen Bundestages und SPD-Tierschutzbeauftragte bin ich selbst seit kurzem Mitglied der „Freunde der Landwirtschaft Verden“. Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Viele Landwirte waren von den Marktkrisen der letzten Jahre, zum Beispiel bei der Milch, stark betroffen. Gleichzeitig sind sie mit veränderten Ansprüchen der Gesellschaft, zum Beispiel beim Tierschutz, konfrontiert. Trotzdem kaufen aber noch viele Leute Billigfleisch. Diese Widersprüche können die Landwirtinnen und Landwirte nicht alleine auflösen – das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dafür brauchen wir den Dialog – und auf diesen setze ich auch vor Ort.

Ich denke, dass mich die Landwirtinnen und Landwirte als offenen und verbindlichen Gesprächspartnern schätzen, auch wenn wir natürlich nicht bei allen Themen auf einer Linie sind.

In Thedinghausen besichtigten wir gemeinsam den landwirtschaftlichen Betrieb mit Sauenhaltung und Schweinemast von Dettmer Rippe. Dabei wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig Planungssicherheit für die Landwirte ist. Mögliche Investitionen werden sonst nicht umgesetzt und moderne Ställe, die in der Regel auch tierfreundlicher sind, nicht gebaut. Ich setze mich deshalb dafür ein, dass die Bundesregierung, gemeinsam mit allen relevanten Akteuren eine Nutztierstrategie erarbeitet und die klar skizziert, wie sich die Nutztierhaltung in Deutschland über die nächsten Jahre entwickeln soll. Der Großteil der Bürgerinnen und Bürger wünscht sich mehr Tierschutz, die Landwirtschaft würde mitziehen, sie muss aber auch davon leben können. 

Eine ganz andere Art von Landwirtschaft bot sich beim zweiten Hofbesuch der „Freunde der Landwirtschaft Verden“. Der landwirtschaftliche Betrieb mit angeschlossenem Hofcafé der Familie Peters in Lunsen hat eine erfolgreiche Umwandlung hinter sich gebracht. Torben Peters berichtete im Gespräch, dass er mit Hofcafé, Direktvermarktung, Hühnermobilbauten und Rinderhaltung auf mehrere Standbeine setzt. Die Familie Peters hat einen großen Schritt gewagt und im landwirtschaftlichen Wandel neue Chancen für sich gesehen und probiert Neues aus. Wichtig ist es hierbei, dass solch innovative Ideen nicht von den Regularien erstickt werden.

Im „Frühstücksgespräch“ führte der Verein weiter an, dass die öffentliche Darstellung der Landwirtschaft in den Medien und anderen Akteuren oft und zum Teil bewusst falsch, ungerechtfertigt und unsachlich geführt wird, was nur zur übermäßigen Konfrontation zwischen Landwirtschaft und einem übrigen kritischen Bevölkerungsteil führt. Damit wird ungerechtfertigter Druck auf Landwirte ausgeübt, was teilweise sogar verbale Angriffe gegen die Landwirtsfamilien als Folge hat.

Auch wurde über die Arbeit des Vereins gesprochen. Zum Beispiel darüber, dass der Verein „Freunde der Landwirtschaft Verden“ mit seinen 450 Mitgliedern Fortbildungen für junge Landwirte veranstaltet, aber auch soziale Aktivitäten, wie den landwirtschaftlichen Ball und Ausflüge. Für junge Landwirte ist das sicher hilfreich. Ich finde es auch toll, dass der Zusammenhalt, die Vernetzung und der gegenseitige Austausch durch den Verein gefördert werden. Auch der Verein bedankte sich für meinen Besuch und für die beiderseitig gewonnenen Eindrücke.